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An-Nawawi: Vierzig Hadithe Ahmad von Denffer und K. Richards Einleitung: Der Koran ist für den Moslim das geoffenbarte Wort von Allah, an die Menschen gerichtet, und darum von unantastbarer Gültigkeit und Verbindlichkeit. Neben dem Koran steht die Sunna des Propheten Muhammad, salla Allah u alihi wa sallam («Allahs Segen und Heil auf ihm»), sein beispielhaftes und vorbildliches Verhalten, das den Koran erläutert und erklärt. Durch die Sunna wird die praktische Anwendung und die Verwirklichung der koranischen Botschaft im menschlichen Leben dargelegt. Die Sunna ist damit die zweite bedeutsame Quelle, aus der die Moslime ihre Handlungsanleitungen schöpfen. Die Umsetzung der islamischen Lehre in das tägliche Leben bleibt ohne Beachtung der Sunna unzureichend. Auch kann sich der Nichtmoslim ohne ihre Kenntnis kein wahres Bild vom Islam als geistiges, moralisches, rechtliches und kulturelles Ganzes machen. Sunna bedeutet zunächst einfach vorbildliches, beispielhaftes Verhalten. Im Islam wurde der Begriff dann sehr bald allein auf das überragende Beispiel, den Propheten Muhuammad, bezogen. Die Sunna wird in der Form des Hadit übermittelt. Hadit (Mz. Ahadit) heißt eigentlich Erzählung, Bericht, und der Begriff meint nun als terminus technicus einen Bericht über die Sunna Muhammads. Vom Inhalt her umfaßt der Hadit Nachrichten über das, was der Prophet gesagt (Qaul), getan (Fi'l) oder stillschweigend geduldet (Taqrir) hat. Der Hadit besteht aus zwei Komponenten: dem Inhalt, Matn, und der Kette der Namen derjenigen Männer und Frauen, die den Matn überliefert haben. Diese Aufzählung von Namen nennt man Isnad. Der Isnad beginnt beim Erzähler und führt über dessen Lehrmeister und über die Gefährten des Propheten bis hin zum Propheten Muhammad selbst. Um den Wahrheitscharakter eines Hadit zu prüfen, entwickelten die islamischen Gelehrten insbesondere zwei Methoden: mit Hilfe der Riwaja einerseits wurde der Isnad untersucht. Der Isnad mußte bis auf den Propheten zurückführen. Jede benannte Person mußte von außerordentlichem Charakter, hoher Geisteskraft und einwandfreiem Leumund gewesen sein. Mit Hilfe der Diraga andererseits stellte man fest, ob der Matn des Hadit mit den islamischen Grundsätzen übereinstimmte. Die Hadit Wissenschaftler entwickelten eine Reihe von Kategorien zur Bezeichnung der Qualität eines Hadit. Die wichtigsten dieser Kategorien sind Sahih
- gesund Sahih und Hasan können im Gegensatz zu Da'if als Grundlage für rechtliche Entscheidungen dienen. Die Berichte von Buhari und Moslim gelten im Allgemeinen als dieser Kategorie entsprechend. Weitere Untergruppen bezeichnen besondere Eigenschaften. So steht beispielsweise Mursal für ein Hadit, dessen Isnad unterbrochen ist und in dem ein Mann aus der zweiten Generation den Propheten unmittelbar zitiert. Garib, als ein weiteres Beispiel bezieht sich auf seltene oder einzigartige Inhalte oder Überliefererketten. Die große Zeit der Hadit-Wissenschaft war das dritte Jahrhundert islamischer Zeitrechnung. Die bedeutendsten Sammelwerke von Ahadit sind die beiden «Sahih-Bücher» (As-Sahihain) von Buhari (geb. 810) und Moslim (geb. 817). Daneben gelten außerdem als von hoher Autorität die Werke von Abu Dawud (geb. 818), Tirmidi (geb. 831), Nasa'i (geb. 831) und ibn Maga (geb. 824). Alle diese Werke entsprechen dem sogenannten Musannaf-Typ, in dem die Berichte nach inhaltlichen Kriterien und Sachgebieten geordnet sind, während besonders frühere Sammlungen eine Anordnung der Ahadit nach Überlieferern vornahmen, also alle Berichte, die beispielsweise Abu Huraira gegeben hatte, unter dessen Namen zusammenstellten. Ein Beispiel für diesen Musnad-Typ ist das Werk von Ahmad ibn Hanbal (geb. 780). Doch hatte bereits Malik ibn Anas (geb. 713) sein Buch Al-Muwatta im Musannaf-Stil aufgebaut. Das Kitab Al-Muwatta ist wohl das früheste erhaltene vollständige Rechtskompendium, wie auch die gesamte Hadit Wissenschaft eng mit der Rechtsprechung verbunden ist. Natürlich bergen die genannten sechs Sahih-Werke eine für den nicht besonders ausgebildeten Moslim nahezu unfaßbare Menge von Berichten. So besteht Bukharis Sahih Werk aus insgesamt 97 verschiedenen Abteilungen, die zusammen knapp 8000 Ahadit enthalten. Aus diesem Grund entstanden recht bald Zusammenstellungen und Auszüge aus den großen Sammelwerken, in denen meist nur noch der Matn wiedergegeben wurde, da man den jeweiligen Isnad ja leicht im Original finden konnte. Eine der bekanntesten Zusammenstellungen einer kleinen, überschaubaren Anzahl von Ahadit ist das Kitab Al-Arba'in von An-Nawawi, der die Begründung für dieses kleine Sammelwerk in der nachstehend übersetzten Einleitung anführt. Muhyi Ad-Din Abu Zakariya An-Nawawi wurde im Jahre 1233 in Nawa bei Damaskus geboren und in den Medressen von Damaskus ausgebildet. Er führte ein bescheidenes Leben als Rechtsgelehrter der Shafi'itischen Schule und ist auch dafür bekannt, daß er das Recht gegen die Obrigkeit seiner Zeit furchtlos verteidigte. So wurde An-Nawawi aus Damaskus verbannt, weil er sich weigerte, ein Rechtsgutachten zu unterzeichnen, mit dem unrechtmäßige Bereicherungen des Sultans legalisiert werden sollten. Nawawi galt und gilt als ausgezeichneter Hadit-Wissenschaftler, der strengste Kriterien anzuwenden pflegte. Er verfaßte neben Werken über Grammatik, Recht und Hadit einen großen Kommentar nebst Einleitung zu Moslims Sahih. Daneben war er als Jurist hoch angesehen und gilt bis heute als einer der Standard-Autoren der Shafi'itischen Rechtsschule. Ebenso ist das vorliegende Sammelbändchen bis heute in der islamischen Welt weitverbreitet und besonders populär. Es besteht aus ausgewählten Berichten, vornehmlich aus den Werken von Buhari und Moslim, aber auch anderen Autoren. Nawawi starb 1277 und wurde in seinem Geburtsort begraben. Mögen die von ihm zusammengestellten «Vierzig Hadite» nun auch dem deutschsprachigen Leser zum besseren Verständnis des Islam und der Moslime nützlich sein. Die Einleitung Des Imam An-Nawawi Preis sei Allah, dem Herrn der Welten, dem Hüter der Himmel und der Erden, dem für alle Geschöpfe Vorsorgenden, dem Entsender der Propheten, salla Allah u alihi wa sallam («Allahs Segen und Heil auf ihnen»), zu jenen, die zu leiten und die Religionsgesetze zu erhellen ihnen anvertraut ist, mit deutlichen Zeichen und sichtbar werdenden Beweisen. Ich preise Ihn für alle seine Gnadenerweise und bitte Ihn um die Vermehrung Seiner Gunst und Güte. Ich bezeuge, daß es keinen Gott gibt außer Allah, - Er ist allein und ohne Teilhaber - dem Einen, dem Gewaltigen, dem Großmütigen, dem Vergebenden, und ich bezeuge, daß unser Herr Muhammad Sein Knecht und Sein Gesandter ist, er ist Ihm teuer und Sein Freund, das beste der Geschöpfe, geehrt durch den edlen Koran, dem fortwährenden Wunder in der Folge der Jahre, und durch das Brauchtum, als Aufklärung für geistige Führer, unser Herr Muhammad, ausgesucht durch Prägnanz der Rede und Duldsamkeit in der Religion. (Allahs Segen und Heil auf ihm und auf den übrigen Propheten und Gesandten und all ihren Angehörigen und den übrigen Rechtschaffenen.) Sodann: Es ist uns überliefert von Ali ibn Abu Talib, Abd Allah ibn Mas'ud, Mu'ad ibn Gabal, Abu Darda', ibn Umar, ibn Abbas, Anas ibn Malik Abu Huraira und Abu Sa'id Al-Hudri (Allahs Wohlgefallen auf ihnen) auf vielerlei Wegen und durch verschiedene Überlieferungen, daß Allahs Gesandter salla Allah u alihi wa sallam gesagt hat: «Wer meiner Gemeinde vierzig Hadite über ihre Religion bewahrt, den wird Allah am Tage der Auferstehung zusammen mit den Rechtsgelehrten und den Religionsgelehrten auferwecken.» In einer anderen Überlieferung heißt es: «Allah wird ihn als Rechtsgelehrten und Religionsgelehrten auferwecken.» In der Überlieferung des Abu Darda' heißt es: «und ich werde für ihn am Tage der Auferstehung Fürsprecher und Zeuge sein.» In der Überlieferung des ibn Mas'ud heißt es: «zu ihm wird gesagt: tritt ein durch welches Tor des Paradiesgartens du willst.» In der Überlieferung des ibn Umar heißt es: «er wird zusammen mit den Religionsgelehrten niedergeschrieben und zusammen mit den Glaubenszeugen versammelt werden.» Die Traditionsbewahrer sind darüber einig, daß dies ein schwacher Hadit ist, trotz seiner zahlreichen Überlieferungswege. Die Religionsgelehrten (Allahs Wohlgefallen auf ihnen) haben auf diesem Gebiet bereits unzählige Sammlungen zusammengestellt. Der erste, von dessen Zusammenstellen ich weiß, war Abd Allah ibn Al-Mubarak, dann ibn Aslam At-Tusi, der gottesfürchtige Gelehrte, dann Al-Hasan ibn Sufyan An-Nasa'i und Abu Bakr Al-Agurri, Abu Bakr Muhammad ibn Ibrahim Al- Asfahani, Ad-Daraqutni, Al-Hakim, Abu Nu'aim, Abu Abd Ar-Rahman as- Sulami, Abu Sa'id Al-Malini, Abu Utman As-Sabuni, Abd Allah ibn Muhammad Al-Ansari, Abu Bakr Al-Baihaqi und unzählige andere, frühere und gegenwärtige. Ich habe Allahs Rechtleitung für das Zusammentragen von vierzig Haditen gesucht, jenen Führern der Gelehrten und Bewahrern des Islam folgend. Die Gelehrten stimmen überein, daß es statthaft ist, einen schwachen Hadit über tugendhafte Werke zu befolgen. Dennoch folge ich nicht diesem Hadit, sondern dem Worte dessen, auf dem Allahs Segen und Heil sei, im folgenden Hadit : «Der Zeuge unter euch berichte dem Abwesenden,» und dem Worte dessen, auf dem Allahs Segen und Heil sei, im folgenden gesunden Hadit: «Möge Allah den Menschen strahlen machen, der hörte, was ich gesagt habe, es im Gedächtnis bewahrte und es weitergab, wie er es hörte.» Sodann sind unter den Gelehrten solche, die vierzig Hadite über die Grundlagen der Religion zusammengetragen haben, andere über Nebensächliches, wieder andere über Gihad, noch andere über Enthaltsamkeit, andere über die guten Sitten, andere über Ansprachen, und all das sind rechtschaffene Unternehmungen, (Allahs Wohlgefallen auf jenen, die sie verfolgen.) Ich gedachte aber vierzig Hadite zusammen zu tragen, bedeutsamer als alle jene, nämlich vierzig Hadite, die dies alles umfassen, und ein jeder Hadit davon eine wichtige der Grundlagen der Religion (darstellend), welche die Gelehrten als «Angelpunkt des Islam» bezeichnet haben, oder als «Hälfte des Islam», oder als «Drittel» oder ähnliches mehr. Auch beabsichtigte ich, daß diese vierzig Hadite gesund sein und die Mehrzahl von ihnen aus den beiden Sahih von Buhari und Moslim (stammen) sollten. Ich zitiere sie unter Auslassung der Überliefererketten, um ihr Erlernen zu erleichtern und ihren Nutzen zu verallgemeinern, so Allah der Erhabene dies will. Sodann lasse ich ihnen Abschnitte mit Erklärung ihrer schwierigen Ausdrücke folgen. Es geziemt sich für jeden, der das Jenseits begehrt, daß er diese Ahadit kennt, wegen dem Bedeutsamen, das sie beinhalten und dem, was sie an Hinweisen auf alle Arten von Gehorsam einschließen. Dies ist jedermann offensichtlich, der darüber nachgedacht hat. Auf Allah verlasse ich mich, vertraue mich Ihm an und vertraue auf Ihn. Sein sind Lob und Güte, und mit Ihm sind Gelingen und Schutz.
......................................................................................................... © 2009 Islamisches Zentrum München
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